Der WEISSE RING hilft Menschen, die nach einer Straftat alleine nicht mehr weiter wissen.
Schon lange machen die Polizei Peine und die Opferhilfe WEISSER RING gemeinsame Sache – jetzt haben beide Seiten ihre Zusammenarbeit mit einem Kooperationsvertrag gefestigt. "Wir wollen alles noch intensivieren und bekannter machen", sagt der Peiner Polizeichef Thorsten Kühl bei der Vorstellung der Zusammenarbeit.
Ziel sei es, möglichst vielen Menschen, die Opfer von Kriminalität geworden sind, Hilfsangebote zu machen. "Viele Opfer sind nach einer Tat allein", so Gerhard Welge, Leiter der Peiner Außenstelle des WEISSEN RINGS. Der Polizei fehle es schlichtweg an Zeit, um sich ausreichend um die Menschen zu kümmern.
"Beim Trösten, Beraten und Betreuen sind unsere Ressourcen zeitlich und fachlich begrenzt", sagt Polizeichef Kühl. Während es für die Täter etwa Resozialisierungsprogramme gebe, stünden die Opfer und deren Probleme noch immer oft hinten an. "Viele sind überfordert und brauchen Begleitung."
Der Peiner Polizeichef Thorsten Kühl (vorne links) und Gerhard Welge (WEISSER RING Peine) unterzeichnen den Kooperationsvertrag. Rainer Bruckert (Landesvorsitzender WEISSER RING) und Sabine Schymosch (WEISSER RING Peine) schauen zu.
Dabei gehe es aber nicht nur um Menschen, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Oft seien es auch nach außen banal erscheinende Wohnungseinbrüche, die die Opfer schwer belasteten. "Es gibt viele Menschen, die nach einem Einbruch nicht mehr in ihrem Zuhause wohnen können", erzählen Kühl und Welge.
Laut dem Leiter der Peiner Außenstelle haben sich im vergangenen Jahr gut 50 Menschen Hilfe beim WEISSEN RING geholt. In diesem Jahr seien es schon mehr als 50. "Manchen helfen schon zwei oder drei Gespräche, andere begleiten wir seit Jahren", so Welge.
Er erzählt von Beispielen aus seiner eigenen Ausbildung zum Mitarbeiter und der praktischen Arbeit heute. So habe er sich mit den Eltern einer ermordeten Frau rund zwei Stunden unterhalten. Danach habe er, da es sein erster Fall während der Ausbildung war, seinen Kollegen gefragt, was er eigentlich gemacht habe. Er habe gesagt: "Du hast zugehört." Das reiche einigen Opfern schon, Zeit für sie zu haben.
In einem anderen Fall aus dem Landkreis Peine habe der Ehemann einer getöteten Frau ihm gesagt: "Ich funktioniere nur noch und habe keine Ahnung, was ich machen muss." Da sei der WEISSE RING dann Lotse gewesen. Es geht also auch darum, Menschen an die Hand zu nehmen.
Wer sofort Hilfe braucht, kann das bundesweite Opfer-Telefon anrufen. Die Nummer: 116 006
Der jetzt unterzeichnete Kooperationsvertrag ist der erste dieser Art in der Region. "Wir hoffen, es ist nicht die letzte Kooperation", sagt Rainer Bruckert, Landesvorsitzender des WEISSEN RINGS in Niedersachsen. Er sei sehr froh, dass Opfer - anders als früher - nicht mehr als bloßes "Beweismittel" wahrgenommen werden. "Aber auch da ist noch Luft nach oben."
In der Peiner Außenstelle des WEISSEN RINGS stehen inzwischen sieben Mitarbeiter bereit, zwei von ihnen haben die Ausbildung noch nicht abgeschlossen, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Wir sind froh, dass in Edemissen, Ilsede und Hohenhameln Mitarbeiter wohnen, so können sie schnell vor Ort helfen. In ganz Niedersachsen gibt es 41 Außenstellen des WEISSEN RINGS, neun davon liegen in unserer Region.